Stadtplatz Regenbogen

Was gibt es Neues in der Stadt?

Ein neues Zentrum für die DLRG:  Kita wird zum Platz für Lebensretter


Bild: Vertrag unterschrieben: Marc Jaschke und Kai Hauser (beide DLRG, von links) sowie Jan Witte (DLRG, rechts) mit Bürgermeister Martin Franke vor dem künftigen DLRG-Zentrum – an dessen Geschichte als Kita Spielwiese kaum mehr als die Überreste des alten Zauns erinnern. ade

 

Seit 13 Jahren arbeitet die DLRG aus einem Provisorium heraus. Damals musste sie kurzfristig ihren Unterschlupf in den ehemaligen Werkstätten der Lebenshilfe an der Brunnenstraße in Rehburg verlassen. Als Übergangslösung bot die Stadt ihr das leerstehende alte Feuerwehrgerätehaus neben dem Rathaus samt Teilen der Bauhof-Scheune an.

Zu wenig Platz für sämtliche Fahrzeuge, zu wenig und vollkommen komfortloser Raum für Besprechungen und notwendige Schulungen und große Not, zumindest die Fahrzeuge unter Dach zu stellen, die draußen nicht abgestellt werden durften, begleiteten die Lebensretter seitdem – ebenso wie die immerwährende Suche nach einer geeigneteren Unterkunft.

Eine verheißungsvolle Aussicht tat sich auf, als die Kita Spielwiese vor einigen Jahren aus ihrem Gebäude Auf der Bleiche umzog in das neu geschaffene Bildungshaus. So begannen Stadt und DLRG einen Plan zu schmieden, der nun die ersten Hürden passiert hat und auf dem besten Weg zur Verwirklichung ist.

Erbpachtvertrag ist unterschrieben

Die aktuelle Unterkunft ist ein marodes Domizil 
© Beate Ney-Janßen
Provisorium seit 13 Jahren: Aus dem maroden ehemaligen Feuerwehrgerätehaus neben dem Rathaus hofft die DLRG in absehbarer Zeit komplett ausziehen zu können. ade

Die Tinte unter dem Erbpachtvertrag, den Stadt und DLRG geschlossen haben, ist getrocknet. 99 Jahre Nutzung sind den Ehrenamtlichen garantiert für die ehemalige Spielwiese und das umliegende Gelände.

Der Erbbauzins sei „sehr moderat“ sagt Bürgermeister Martin Franke. Für die Stadt decke er gerade eben die sich ergebenden laufenden Kosten. Das sei immerhin ein kleiner Beitrag der Stadt angesichts dessen, was die DLRG leiste.

Auch wenn alles vom Einmessen des Grundstücks über die Ausarbeitung der Verträge bis zur notariellen Beurkundung etwas länger dauerte, als ursprünglich avisiert, ist auch der DLRG-Vorsitzende Kai Hauser mit dem nun vorliegenden Ergebnis sehr zufrieden.

Fahrzeughalle wird geplant

Für die DLRG fängt die Arbeit jetzt erst an. Der grobe Plan steht, nun wird der Entwurf verfestigt, um bald einen Bauantrag einreichen zu können. Zwei große Vorhaben stehen dabei mit dem Bau einer Fahrzeughalle und dem Ausbau der Kita zum Zentrum für Aufenthalt, Schulungen, mit Besprechungs-, Wasch-, Umkleide- und Lagerräumen im Vordergrund.

Punkt 1 auf der Liste ist die Fahrzeughalle. Das Equipment der DLRG ist groß. Einsatzleitwagen, Taucheinsatzfahrzeug, mehrere Boote, Geländewagen, Unimog, Lkw, dazu etliches an zusätzlicher Ausrüstung zählt Hauser auf. Nicht zu vergessen das neue Strömungsretterfahrzeug, das erst vor kurzem vom Land zur Verfügung gestellt wurde.

„Eine unserer Aufgaben der Zukunft“, nennt der Vorsitzende das, was mit diesem Gefährt möglich ist. Schließlich wird prognostiziert, dass solche Ereignisse wie plätschernde Bäche, die sich in reißende Ströme verwandeln, in Zukunft immer wahrscheinlicher werden.

Kreisweite Wasserrettung ist DLRG-Aufgabe

Der kleine Exkurs zu möglichen DLRG-Einsätzen vermittelt auch einen Eindruck dessen, was die Aufgaben der DLRG sind. Unter anderem übernimmt der Bezirksverband der Lebensretter – bestehend aus den Ortsvereinen Rehburg-Loccum, Nienburg und Uchte – die Aufgabe der Wasserrettung vom Landkreis Nienburg und steht auch dann weit oben auf der Liste, wenn es darum geht, Einsatzkräfte für einen Massenanfall an Verletzten zu mobilisieren.

Die Szenarien, die sich aus solchen Notfällen ergeben, sind vielfältig. Entsprechend vielfältig muss auch der Fuhrpark aufgestellt sein.

Und ganz nebenbei: All diese verantwortungsvollen Aufgaben erledigen die DLRG-Mitglieder ehrenamtlich ohne dafür entlohnt zu werden.

DLRG Vorsitzender Kai Hauser
© Beate Ney-Janßen
Hier kommt die Fahrzeughalle hin: Kai Hauser postiert sich an einer künftigen Gebäudeecke. ade

 

Die Halle soll in erster Linie praktischen Anforderungen genügen und Hauser zeigt den Platz, an dem sie entstehen wird: hinter der ehemaligen Kita in Richtung Meerbruchswiesen. Vier Stangen markieren bereits die vier Ecken des 34 mal 18 Meter großen Gebäudes.

Trotz der Minimalanforderungen wird die Halle eine ordentliche Summe Geld kosten. 300.000 Euro allein für das Gebäude ohne Fundamente, Bodenplatte, Elektrik und ähnlichem veranschlagt Hauser.

Herausfordernd: Die Finanzierung

Einen Sieg bei der Sicherung der Finanzierung hat er soeben errungen: 200.000 Euro aus den Fördermitteln der LEADER-Region – also EU-Mitteln – sind ihnen sicher.

Viele andere Fördertöpfe versucht die DLRG auszuschöpfen und ist auch kreativ dabei, sich Hilfe von Unternehmen, Geschäftsleuten und Privaten zu sichern. Vom Landessportbund bis zu denjenigen, die Baumaterial verkaufen. 

„Und dann haben wir noch unsere Rücklagen“, sagt Hauser. Rücklagen, die sie den Corona-Jahren zu verdanken hätten, als sie mit großem Einsatz Impf- und Testzentren mit Manpower bestückten. Rund 2.000 Stunden hätten die Mitglieder geleistet und bei allem auf die Honorierung verzichtet. Die sei stattdessen eins zu eins in die Vereinskasse geflossen.

Mit dem ASB betrieb die DLRG ein Testzentrum im Gemeindehaus der katholischen Kirche Rehburgs
© Beate Ney-Janßen
das Plus aus den Corona-Jahren: Gemeinsam mit dem ASB betrieb die DLRG unter anderem ein Testzentrum im Gemeindehaus der katholischen Kirche Rehburgs. ade

 

Ähnlich ehrenamtlich wird es weitergehen. Dann nicht mit Stäbchen, die in Nasenlöcher gesteckt werden, sondern mit allem, was sich an handwerklichen Arbeiten ergibt. Vom Verlegen des Pflasters bis zum Streichen der Wände.

Wer sich den sanft grünenden Rasen auf dem rückwärtigen Gelände ansieht, bekommt eine Vorstellung davon, wie in dem Ortsverband zugepackt wird. Noch vor wenigen Monaten überwucherten Brombeeren und anderes Kraut sämtliche Flächen. Ein Wochenend-Arbeitseinsatz schaffte Abhilfe.

Auf solchem ehrenamtlichen Einsatz baut die DLRG auf und wenn auch noch nicht für alles, was sie verwirklichen will, alles Geld zur Verfügung steht, ist die Laune seit Vertragsabschluss doch deutlich gestiegen.

Im Zentrum: die ehemalige Kita

Der Findling mit dem Logo der Kita Spielwiese hat den Umzug zum Bildungshaus (noch) nicht geschafft.
© Beate Ney-Janßen
Relikt vor der Tür: Der Findling mit dem Logo der Kita Spielwiese hat den Umzug zum Bildungshaus (noch) nicht geschafft. ade

 

Punkt 2 der DLRG-Pläne besteht mit dem Kita-Gebäude bereits – und soll verändert werden. „Wir haben jetzt wirklich viel Platz“, sagt Hauser und führt durch das weitläufige Gebäude, in dem früher bis zu 75 Kinder in drei Gruppenräumen gleichzeitig tobten.

Hier und da haben die Lebensretter bereits erstes Mobiliar abgestellt, wie den Besprechungstisch in der großen Halle, den sie schon weidlich nutzen. „Die Garderoben haben wir aus den Umkleiden der alten Turnhalle in Rehburg gerettet“, sagt der DLRG-Vorsitzende und zeigt auf die Sitzreihen mit Kleiderhaken, die im Flur abgestellt sind. Sie gehören zu den Dingen, die sich irgendwo kostenlos auftun, statt neu gekauft werden zu müssen.

Umbau und Sanierung der Kita sollen nach und nach verwirklicht werden. Ein größerer Brocken ist zunächst der Umbau der WC-Anlagen. Die winzigen Becken für Kleinkinder werden weichen müssen.

Zwecks sinnvollerer Nutzung sind außerdem einige Wanddurchbrüche geplant. An anderen Stellen wiederum sollen Türen weichen. Das gehört zu den ersten Arbeiten für die die DLRG in den Startlöchern steht.

Fenster, Dach und Heizung will sie zwar nicht auf die lange Bank schieben. Sie stehen aber zunächst hintenan.

Gebäude-Nutzung: Konkretes und Visionen

Die Halle der Kita Spielwiese mit Ausblick auf die neue Sporthalle 
© Beate Ney-Janßen
Die Halle der Kita Spielwiese mit Ausblick auf die neue Sporthalle soll künftig auch für Seminare genutzt werden. ade

 

Wo treffen sich die Mitglieder zu Besprechungen? Welche Räume sind für Seminare geeignet? Wie viel Platz wird benötigt? Und für welche Flächen können noch Visionen entwickelt werden? Auch im Bezug darauf sind die Gedanken weit gediehen.

Auf Grund der vielen Fläche, die jetzt zur Verfügung steht, geht Hauser davon aus, dass das Seminarangebot deutlich erweitert werden kann. Das sei auch dringend notwendig, sagt er, wenn Leistungen weiter aufrechterhalten werden sollen.

Rettungstauchen führt er als Beispiel an. Diese Sparte brauche unbedingt Zuwachs und dafür täten sich jetzt Möglichkeiten auf – und wenn es solche Angebote seien wie Lagerräume für das Equipment von Hobbytaucher:innen, um gelegentlich jemand auch für die Wasserrettung zu gewinnen.

Die zentrale Kita-Halle oder auch einzelne Räume könnten darüber hinaus an Organisationen für Tagesseminare vermietet werden. Außerdem bleibe Platz für andere, die womöglich auf der Suche nach einem Übungsraum seien, der ihn einmal pro Woche zur Verfügung stehe.

Nutzen wollen sie diese Freiräume aber auch für ihr neues Jugend-Einsatz-Team, das JET. „Das ist uns das, was den Feuerwehren ihre Jugendfeuerwehr“, sagt Hauser.

Im Klartext: Nachwuchs für alle Aufgabenbereiche über das Schwimmtraining hinaus. Das sei zwar immer noch ein wertvolles, wichtiges und unverzichtbares Standbein, das auch weitestgehend für die stattliche Anzahl von mehr als 500 Mitgliedern verantwortlich sei. Aber eines gehe eben nicht ohne das andere und DLRG sei wesentlich mehr als der Garant für Seepferdchen und Co.

Spenden auf vielerlei Art möglich

Läuft alles nach Plan, wird die erste kleine Sanierungswelle in der Kita im Winter erfolgreich abgeschlossen. Für die Fahrzeughalle erhofft sich die DLRG, dass sie 2027 gebaut wird.

Alles weitere soll Stück für Stück folgen und wird nach derzeitigen vorsichtigen Schätzungen alles in allem rund 1,3 Millionen Euro kosten.

Mit solchen Summen im Ehrenamt zu jonglieren, bereitet den Lebensrettern zwar gelegentlich Bauchschmerzen. Andererseits, sagt Hauser, sei es alternativlos – weswegen sie auf der anderen Seite mit einem durchaus guten Gefühl dieses Abenteuer anpackten.

Gegen weitere Unterstützung habe die DLRG indes überhaupt nichts einzuwenden. Spenden von Unternehmen und Privatleuten seien immer gerne gesehen, ebenso wie Leute, die mit Material oder Hand- und Spanndiensten am Aufbau des DLRG-Zentrums mithelfen wollen. Oder wie wäre es mit einer Mitgliedschaft?

Mehr zur Arbeit des DLRG-Ortsverbandes Rehburg-Loccum ist auf dessen Homepage www.rehburg-loccum.dlrg.de hinterlegt. Ebenso, wie Hinweise für die Möglichkeit zu spenden.