Bild oben: Auserwählte: Martin Franke (links) zeichnete Bürger:innen aus: (obere Reihe von links): Isabell Jokisch, Annette Sierk, Dirk Jordan. (Untere Reihe von links) Marian Wesemann, Edeltraud Wilkening-Lachnitt, Ulrike Schulz und Jürgen Schulz.
Ehrenamt als gemütliche Alternative für den Staat, um Leistungen nicht selbst erbringen zu müssen? Diese Frage warf Annette Hilsch als Laudatorin beim Stadtempfang auf. Das Fazit der Vorsitzenden von Rehburg-Loccums KulTour-Verein: Eine Alternative zum Hauptamt dürfe das Ehrenamt nicht sein – wohl aber eine Bereicherung des Zusammenlebens. Weil Ehrenamt erfüllend und sinnstiftend sei, mit ihm Zeit Nähe und Menschlichkeit geschenkt werde.
„Sie sind die Held:innen des Alltags, ohne Superman-Cape, vielleicht mit Vereinsjacke oder Vereins-Shirt und manchmal auch mit ganz viel Kuchen“, rief sie in Rehburgs Bürgersaal den versammelten Ehrenamtlichen zu und erntete Applaus.

Verneigt sich vor den Held:innen des Alltags: Annette Hilsch.
Das Ehrenamt hielt auch Bürgermeister Martin Franke hoch – und das mit dem Verweis auf eine Gruppe, die bei mittlerweile 19 Stadtempfängen noch niemals auf die Bühne gerufen wurde: Die Mitglieder des Rates der Stadt, der Ortsräte und die beratenden Mitglieder der diversen politischen Ausschüsse. Wohlweislich sei das so, sagte er, denn der Anschein von Selbstlob und Selbstbedienung solle vermeiden werden.
Für alle Kommunalpolitiker:innen eine Lanze zu brechen, war ihm dennoch ein Anliegen, denn sie seien Überzeugungstäter, obwohl dieses Ehrenamt beileibe nicht immer vergnügungssteuerpflichtig sei. Man denke nur an teilweise zentimeterdicke Unterlagen im Bauausschuss.
„Lassen Sie sich wählen!“
Unterm Strich überwiege aber wohl doch die Freude am Gestalten des eigenen Lebensumfelds. „Kaum zu glauben, Teufel nochmal, dass man so viele Jahre lang inmitten von Kleinkram und Ärger so glücklich sein kann“, zitierte er den Schriftsteller Gabriel Garcia Márquez.
Der Vorrede folgte der mehr als nur zaghafte Hinweis: „Lassen Sie sich wählen!“. Wer wolle, dass nach den Kommunalwahlen vom 13. September weiterhin konstruktiv in Rehburg-Loccums politischen Gremien gearbeitet werde, solle ernsthaft darüber nachdenken. Zwinkernd fügte er hinzu, dass am Ausgang Listen bereit lägen, in die alle sich eintragen könnten.

Auf der Suche nach Ehrenamtlichen für die Kommunalpolitik: Mit Beachflags wirbt die Stadt.
In diesem Sinne bat Franke Rehburg-Loccumer:innen auf die Bühne, deren Mission zwar nicht in der Parteipolitik liegt, die aber auf vielerlei anderen Wegen das Leben in der Stadt gestalten. Pokale oder Medaillen gab es nicht, stattdessen einen Becher mit dem Aufdruck „AUSERWÄHLT“.
Dieses sind die Auserwählten des Jahres 2026:
🏆 Dirk Jordan, langjähriger Vorsitzender in Loccums Handwerker- und Gewerbeverein, ist unter anderem einer derjenigen, die sich für stimmungsvolle Straßenbeleuchtung zur Adventszeit eingesetzt haben. Sein Organisationstalent kommt bei Maibaum- und Dorffest zum Tragen, in der Dorfgemeinschaft und auch im Wirtschaftsleben unserer Stadt.
🏆 Isabell Jokisch ist aus dem Vereinsleben der DLRG nicht wegzudenken. „Mit Hingabe“ heißt es in der Urkunde – dem eine Aufzählung dessen folgt, worin sie sich engagiert: Als Sanitäterin und Signalfrau für Rettungstaucher, als Boots- und Rettungshundeführerin, im Jugendvorstand und noch mehr. Die Rettungshundestaffel hat sie ins Leben gerufen.
🏆 Annette Sierk ist in Loccum dabei, wenn es um Musik und um soziale Gerechtigkeit geht: Sie leitet das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Loccum, engagiert sich seit Beginn beim FoodTeiler Loccum und ist ein Teil des Teams, das den Loccumer Laden am Laufen hält – seit dessen Anfängen als Kleiderkammer für geflüchtet Ukrainer:innen.
🏆 Auf Marian Wesemann ist Verlass, wenn es um das Dorfleben in Münchehagen geht. Im Spielmannszug leitet er die Schlagwerk-Ausbildung, ist aktiver Musiker, Vorstandsmitglied und stets bemüht um Nachwuchs. Mit technischem Sachverstand, Organisationstalent und auch leitend als stellvertretender Vorsitzender bringt er sich zudem im Mönkehäger Dörpverein ein.
🏆 Geht es um die Kapelle in Winzlar, fällt vielen der Name von Edeltraud Wilkening-Lachnitt ein. Viele Jahre war sie ehrenamtliche Küsterin. Ansprechpartnerin, wenn es um die verlässliche Öffnung der Kapelle geht, ist sie noch immer, trägt den Gemeindebrief aus und ist im DRK bei Blutspenden-aktiv.
🏆 Ebenfalls umtriebig in Sachen „Kirche“ ist Ulrike Schulz. In Rehburg ist sie Mitglied des Kirchenvorstandes in dem sie viele Aufgaben von der Betreuung des Frauenkreises bis zum Weltgebetstag übernimmt. Während einer langen Vakanz war sie maßgeblich dafür verantwortlich, dass das kirchliche Leben in Rehburg belebt blieb. In Loccum gehört sie zudem zum Team der Klosterstube und leitet in Rehburg den FoodTeiler.
🏆 Ihr Mann Jürgen Schulz ist nicht minder aktiv: Im vierten Jahr engagiert er sich in einem Deutschkurs für Ukrainer:innen, ist eine der tragenden Säulen der pädagogischen Arbeit des Arbeitskreises Stolpersteine und engagiert sich auch im Bündnis für Demokratie und Vielfalt. Der Rehburger Kirchengemeinde hat er deren Männerfrühstück beschert – und betreut es seit Jahren mit Leidenschaft.

Volles Haus im Bürgersaal: Ehrenamt ist für viele Rehburg-Loccumer:innen Mission.
Stellvertretend für 38 weitere Ehrenamtliche, die aktuell die Ehrenamtskarte für ihren Einsatz überreicht bekommen haben, holte der Bürgermeister Helga Neumann und Daniel Lindenberg auf die Bühne. Die eine engagiert sich im DRK – und war bereit Vorstandsarbeit zu übernehmen, als im Loccumer Ortsverein niemand dafür eintreten mochte. Der andere ist in Münchehagen einer, der im Mönkehäger Dörpverein erst die Oldtimer-Sparte gründete, um später den Vorsitz des gesamten Vereins zu übernehmen.
Zur Belohnung für alle Ehrenamtlichen im Saal gab es Musik vom Pambu Ensemble und angeregte Gespräche neben dem Büfett.

