Gleichstellung in Rehburg-Loccum
Zwei Rote Bänke für Rehburg-Loccum
‚Stoppt Gewalt an Frauen‘ steht unübersehbar auf den Lehnen der neuen rot gestrichenen Bänke vor den Sporthallen in Rehburg und Loccum.

Gleichstellungsbeauftragte Alexandra Schellig rannte mit der Idee, die sie und ihre Kolleginnen im Landkreis ersonnen hatten, in unserer Verwaltung offene Türen ein. Dieses Zeichen wollten alle setzen.
„Niemand hat das Recht, andere Menschen zu bedrohen, zu kontrollieren oder zu verletzen“, sagt Alexandra. Weder mit Demütigungen, Kontrolle, Einschüchterung, psychischer Gewalt, sexuellen Übergriffen noch mit wirtschaftlicher Abhängigkeit oder körperlicher Gewalt.
Auf all das sollen die Bänke hinweisen – und gleichzeitig Mut machen, nicht wegzusehen. Wie notwendig das ist, beweisen Statistiken: In Deutschland stirbt an jedem dritten Tag eine Frau durch die Auswirkungen partnerschaftlicher Gewalt…
Wofür stehen die Roten Bänke?
Als sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen sind Rote Bänke seit 2016 von Italien ausgehend in vielen Ländern aufgestellt worden. Sie fordern auf, nicht wegzusehen, wenn der Verdacht besteht, dass Frauen Gewalt angetan wird, sie stattdessen anzusprechen, nachzufragen, Glauben zu schenken und – wenn möglich – Hilfe anzubieten.
Gleichzeitig bieten viele der Bänke betroffenen Frauen ein niedrigschwelliges Hilfsangebot – wie an den Bänken in Loccum und Rehburg mit der Telefonnummer des Hilfetelefons.
Das Hilfetelefon – 116 016…
… ist rund um die Uhr besetzt, ist kostenlos und steht allen Frauen offen. Anrufe werden auf Wunsch anonym behandelt. Am anderen Ende der Leitung sitzen qualifizierte Beraterinnen.
Unter https://www.hilfetelefon.de/ sind Online-Beratungen möglich, Beratungen in 18 Sprachen und in Gebärdensprache.
Neben den Betroffenen können sich auch Angehörige, Freund:innen und andere besorgte Mitmenschen Rat holen.
Unterstützung für unsere Bänke gab es von:
▫️ Leader Region Weserleiter
▫️ Lebenshilfe Nienburg

Gleichstellung – was ist das?
Gleichstellung bedeutet, dass alle Menschen die gleichen Chancen, Pflichten und Rechte haben – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, Beeinträchtigung, Alter oder sexueller Orientierung.
Wichtig ist dabei:
Gleichstellung heißt nicht, dass alle Menschen gleich sind, sondern dass keine Person benachteiligt oder bevorzugt wird.
Sind Frauen und Männer in Deutschland nicht schon gleichgestellt?
Vor dem Gesetz schon – allerdings hakt es bei der praktischen Umsetzung.
Beispiel: Frauen verdienen heute bei gleicher Qualifikation und Aufgabe häufig immer noch weniger als Männer (Gender Pay Gap).
Frauen übernehmen heutzutage immer noch überwiegend die Verantwortung für Familie, pflegebedürftige Eltern (Gender Care Gap) und arbeiten oft in Teilzeit. Die Karrierechancen sind eingeschränkt und viele Teilzeitjobs sind außerdem schlecht bezahlt. Eine gute, ausreichende Altersvorsorge ist somit schwierig und die Rente fällt auch geringer aus (Gender Pension Gap).
Frauen und Mädchen sind um ein Vielfaches häufiger von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Und die Zahlen steigen kontinuierlich an.
Teilhabe und politisches Engagement von Frauen ist aufgrund struktureller Benachteiligung auf einem niedrigen Niveau, obwohl sie doch die Hälfte der deutschen Bevölkerung stellen.
Was genau macht eine Gleichstellungbeauftragte?
Beratung und Unterstützung
- bei Fragen zu Benachteiligung, Diskriminierung oder Gewalt
- Betroffener bei häuslicher Gewalt, Stalking oder sexueller Belästigung
- Verweis auf Beratungsstellen, Hilfsangebote und das Frauenhaus
- Beratung bei Wunsch nach Wiedereinstieg in den Beruf oder veränderter Lebenssituation
- Information über Weiterbildungsangebote
Einfluss auf Verwaltung und Politik
- Mitwirkung bei kommunalen Entscheidungen (Projekte, Programme, Satzungen)
- Prüfung von Vorlagen für den Verwaltungsausschuss und den Stadtrat aus Gleichstellungssicht
- Teilnahme an Sitzungen, Arbeitsgruppen und Ausschüssen
- Abgabe von Stellungnahmen, Antrags- und Rederecht
Gleichstellung in der Verwaltung
- Sicherstellung der Chancengleichheit für die Beschäftigten der Kommune
- Begleitung aller Personalverfahren, wie beispielsweise Stellenbesetzungen, Personalentwicklung oder Arbeitszeitmodelle
- Einsatz für Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Ansprechpartnerin für die Beschäftigten
Projekte und Netzwerke
- Projektentwicklung und -koordination, Suche nach Kooperationspartner:innen
- Netzwerkaufbau (z.B. mit Beratungsstellen und Hilfsangeboten, Akteur:innen in der Kommune, Institutionen und Kolleg:innen)
- Organisation von Aktionstagen z.B. Equal Pay Day, Weltfrauentag, Tag gegen Gewalt
Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung
- Information über Gleichstellungsthemen in Sozialen Medien, im Stadtblatt oder bei Veranstaltungen
- Durchführung von Workshops, Seminaren und Kampagnen
Rechtliche Grundlage
- Grundgesetz
- Niedersächsisches Gleichberechtigungsgesetz
- Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz
- Satzung der Stadt Rehburg – Loccum
KURZ GESAGT:
Die Gleichstellungsbeauftragte setzt sich für Chancengleichheit ein, ist Impulsgeberin für Politik und Verwaltung, sowie Anlaufstelle für interne und externe Rat- und Hilfesuchende
Netzwerk:
- Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Nienburg
- BISS – Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt
- Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen
- Frauenhaus Nienburg
- Frauen- und Mädchenberatungsstelle Nienburg
- Jugendpflege
- Koordinierungsstelle frau+wirtschaft Landkreis Nienburg
- Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbüros in Niedersachsen
- Schulsozialarbeiter:innen
- Seniorenbeirat
- Verbund Wirtschaft + Familie e.V.
- Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung e.V.









