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Ein Waldfriedhof für Rehburg-Loccum

Waldfriedhof für Rehburg-Loccum

Klosterkonvent spricht sich für alternative Bestattungsform aus

Rehburg-Loccum bekommt einen Bestattungsforst. Bereits ab 2027 sollen Beerdigungen auf einem 5,5 Hektar großen Waldgrundstück am Rosenbraken möglich sein.

Vom Kloster ist es ein Spazierweg von zehn bis 15 Minuten. Vom Klosterforst geht es idyllisch am Backteich entlang und weiter auf dem Gesche-Köllars-Weg. Wo dort die Felder rechts und links des Weges einem Wäldchen weichen, soll es ab dem kommenden Jahr möglich sein, sich nah den Wurzeln eines der Bäume bestatten zu lassen. „Bauherr“ der neuen Begräbnisstätte ist das Kloster Loccum.

Trauerfeiern unter freiem Himmel

„Wir werden ein Wegenetz anlegen“, erläutert Klosterförsterin Imke Beck, die auch für das Friedhofswesen zuständig ist. Der Waldfriedhof sagt sie, sei ihr eine Herzensangelegenheit.

Inmitten des Waldes werde ein Platz für Trauerfeiern hergerichtet. Mit Bänken und Kreuz und unter freiem Himmel. Momentan führt nur ein Rückeweg zwischen den Bäumen hindurch. Er soll hergerichtet und durch ein Wegenetz ergänzt werden, um zu den Gräbern gelangen zu können. „Der Waldcharakter bleibt aber erhalten. Wir gestalten keinen Park“, betont der Prior des Klosters, Arend de Vries.

Kloster als Vorreiter in Sachen Waldbestattung

Die Friedhofskultur sei seit Jahrzehnten einem stetigen Wandel unterlegen. Mehr und mehr tendierten Menschen dazu, statt der einst üblichen Sargbestattung auf Urnen umzuschwenken. In Loccum liege der Anteil mittlerweile bei 70 Prozent. Trend seien seit einigen Jahren zudem naturnahe Bestattungen. Die Kirchen der Landeskirche Hannovers böten etwas in dieser Art bislang nicht an. Das Kloster Loccum mache den Anfang. Wer bislang in einem Wald beerdigt werden wolle, habe sich an die kommerziellen Anbieter wenden müssen.

Die Vorreiterrolle, die das Kloster im Gebiet der Landeskirche nun übernimmt, ist indes durch eine Initiative aus Rehburg-Loccums Kommunalpolitik angestoßen worden. Vor Jahren hatte die Gruppe aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen dort angeregt, einen städtischen Bestattungsforst einzurichten. Das Bedürfnis nach einer solchen alternativen Form der Bestattung sei vorhanden. Weshalb sollten Rehburg-Loccumer:innen weit entfernt beerdigt werden, wenn es in der Stadt derart viel Wald gebe?

Bestattungen gehören nicht zum Kerngeschäft der Stadtverwaltung

Es folgte eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, die viele Möglichkeiten aufzeigte – wie auch die Erkenntnis, dass ein Bestattungsforst viel Arbeit, Zeit und Kenntnis rund um das Bestattungswesen einfordert – die eine Verwaltung nur schwerlich leisten könnte.

Hinzu seien die Erkenntnis und das Gefühl gekommen, dass Beerdigungen für sehr viele Menschen „immer noch etwas mit Kirche zu tun haben“, berichtet Bürgermeister Martin Franke. „So kamen wir mit den Kirchengemeinden und dem Kloster ins Gespräch.“ Das Kloster, sagt er, sei Garant für einen würdevollen Rahmen.

Im Konvent habe es nach ausgiebigen Diskussionen breite Zustimmung für den Plan gegeben, fügt de Vries hinzu. Manches solle unter Klosters Eichen und Buchen nun so werden, wie es auch von anderen Bestattungsforsten bekannt ist. Manches jedoch auch nicht.

Namen auf Kloster-Sandsteinen und für die Bäume

Imke Beck zeigt auf einen Sandstein, der an einer Buche lehnt. „Jeder Baum, in dessen Wurzeln wir Urnen einbetten wollen, bekommt solch einen Stein, auf dem Plaketten mit Namen, Geburts- und Sterbedatum befestigt werden“, sagt sie. Die Sandsteine kämen allesamt direkt aus dem Kloster. „Wir sind steinreich“, fügt sie zwinkernd hinzu. Über die Jahrhunderte hätten sich viele Steine im Kloster angesammelt, die nun einen jeweils besonderen Zweck bekommen sollten. Anonyme Bestattungen, sagt de Vries, werde es in diesem Forst nicht geben – schließlich sei es eine kirchliche Begräbnisstätte.

Darüber hinaus würden die Bestattungs-Bäume Namen bekommen, sagt de Vries. Namen, die Bezug zu Loccum, zum Kloster oder auch zu den Zisterziensern haben sollen. „Es ist doch nicht schön, nach einem Baum mit einer Nummer zu suchen, wenn ich ein Grab besuchen will.“ Würdevoll und ansprechend solle auch das sein.

Gräber für alle Konfessionen und für Auswärtige

Beerdigt werden können in dem Waldstück alle Konfessionen und auch Konfessionslose. „Es gibt keine Ausnahmen“, betont de Vries. Anders als auf den Friedhöfen innerhalb der Klostermauer werde es hier zudem auch für „Menschen von außerhalb“ möglich sein, einen Begräbnisplatz zu bekommen. Auf den anderen Friedhöfen gelte, dass lediglich Loccumer:innen oder solche, die eine Beziehung zum Ort nachweisen könnten, ein Recht auf eine Grabstätte haben.  

Auf die Frage, ob Grabstätten bereits im Voraus gekauft werden könnten, wehrt Beck allerdings ab. Erst im Todesfall würden Verträge abgeschlossen, ab dann gelte eine Laufzeit von 30 Jahren. Von Anrufen mit vorzeitigen Kaufgesuchen bittet sie abzusehen.

Auf einen Namen hat sich der Kloster-Konvent unterdessen ebenfalls geeinigt. „Waldfriedhof am Rosenbraken“ soll er heißen – benannt nach der alten Flurbezeichnung der Gemarkung.

 

BU: Der Wald, ein Baum, ein Stein und eine Namensplakette: Imke Beck demonstriert gemeinsam mit Martin Franke (Mitte) und Arend de Vries, wie die Grabstätten im Waldfriedhof am Rosenbraken gekennzeichnet werden sollen