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Asiatische Hornisse

Hornissenjäger:innen gesucht: Wer wird Locktopf-Scout?

Asiatische Hornissen sind auch bei uns auf dem Vormarsch, bedrohen Bienenvölker und sind keineswegs gern gesehene Gäste in den Gärten. Voriges Jahr entdeckte eine Imkerin in Rehburg Exemplare dieser invasiven Art an einem ihrer Bienenstöcke. Jetzt ist eine Hornissenkönigin in Mardorf entdeckt und eingefangen worden – eher durch Zufall. Gezielter will ein neuer Verein die ungebremste Ausbreitung verhindern, setzt dabei auf Hilfe aus der Bevölkerung und hofft auf viele Locktopf-Scouts. Claudia Blöthe von Rehburgs Kleiner Meerbruch-Imkerei hat bereits einen kleinen Vorrat dieser „Töpfe“ bekommen - den sie gerne weitergibt.

Claudia Blöthe hat in ihrer Imkerei in Rehburg einen Lock-Topf aufgestellt

Bild: Schon dabei: Claudia Blöthe hat in ihrer Imkerei in Rehburg einen Lock-Topf aufgestellt. ade

Für Imker Marcel Müller-Meißner war es ein Glücksfall: Vor wenigen Tagen entdeckte eine aufmerksame Familie an ihrem Haus in Mardorf eine Asiatische Hornisse, die soeben begann, sich ein Nest zu bauen. Nun lagert das rund drei Zentimeter lange Tier in des Imkers Gefriertruhe und wird bald Schauzwecken des Vereins dienen, den er gegründet hat. Ein Verein, der über die invasive Art aufklären und deren Ausbreitung eindämmen will.

Zwei Zentimeter langer Stachel

Das eiskalte Honigglas, in dem er die Hornisse - eine Königin - gelagert hat, stellt Müller-Meißner auf den Tisch. Rund zwei Wochen, erklärt er, könne sie bei niedrigsten Temperaturen überleben. Bald darauf fährt sie ihren Stachel aus, der rund zwei Zentimeter aus dem Hinterleib ragt. Ihr Gift, erklärt Müller-Meißner, habe eine andere Zusammensetzung als jenes der heimischen Hornissen, führe oft zu noch heftigeren Reaktionen bei Menschen und die Arbeiterinnen im Hornissen-Volk könnten nicht nur stechen, sondern auch Gift versprühen. Alles in allem also viele gute Gründe, sich diesen Hornissen nicht oder mit gebotener Vorsicht und entsprechender Schutzkleidung zu nähern.

Der Imker aus Wunstorf-Luthe setzt sich bereits seit einigen Jahren mit der Asiatischen Hornisse auseinander – wohl wissend, dass sie sich seit ihrer ersten Sichtung im Süden Deutschlands vor zwölf Jahren rasant ausbreiten könne und irgendwann auch unsere Breiten erreichen werde – so geschehen im vorigen Jahr.

Hornissens Schlaraffenland: Das Ausflugsloch

Lauern am Ausflugloch: Setzt sich eine Asisatische Hornisse vor den Bienenstock, ergeht es dem Bienenvolk schlecht.

Bild: Lauern am Ausflugloch: Setzt sich eine Asisatische Hornisse vor den Bienenstock, ergeht es dem Bienenvolk schlecht. ade

Darauf wollte Müller-Meißner vorbereitet sein. Immerhin ist er Herr über 470 Bienenvölker, denen er die Hornissen ersparen möchte. Deren bevorzugte Nahrung: Bienen und das in großer Anzahl. Das Ausflugloch jedes Bienenstocks ist für sie das pure Schlaraffenland. Hat sich eine Hornisse dort niedergelassen, bleiben den Bienen lediglich zwei Möglichkeiten: Entweder riskieren, beim Ausflug gefressen zu werden, oder im Bienenstock bleiben und verhungern.

Beides sind für den Imker keine Optionen – weswegen er sich mit weiteren Imker:innen, Hornissenberater:innen, mit Naturschützer:innen und anderen Interessierten zusammengetan und einen Verein gegründet hat. „Velutina Lockdown Team“ nennt er sich – nach der lateinischen Bezeichnung der Art „Vespa Velutina“. Schon das Logo des Vereins sagt einiges über dessen Ziele aus: Im Fadenkreuz hat sich eine Hornisse niedergelassen.

Locktopf-Scouts sind der Anfang

Verein gegründet: Das Velutina Lockdown Team will sich der Bekämpfung der Asiatischen Hornisse widmen

Bild: Verein gegründet:  Lauern am Ausflugloch: Setzt sich eine Asisatische Hornisse vor den Bienenstock, ergeht es dem Bienenvolk schlecht.  .

Die Ausbreitung würden sie nicht verhindern können, gesteht Müller-Meißner. Sie einzudämmen und möglichst schnell zu handeln, wenn sie irgendwo bemerkt wird, sei aber eines der Vereinsziele.

Dabei setzt er zum einen auf Aufklärung und Mithilfe aus der Bevölkerung. Seinen Hornissen-Fang in Mardorf hat er genutzt, um die Menschen in dem Dorf aufmerksam zu machen und etliche Mardorfer:innen animiert, gezielt nach weiteren Exemplaren Ausschau zu halten.

„Locktopf-Scouts“ nennt er sie - ausgerüstet mit Gläsern, deren alkoholischer Inhalt Hornissen anlocken soll. Gibt es Sichtungen, wird er informiert und rückt aus, um Nester zu entdecken und gegen die Hornissen vorzugehen.

Locktöpfe

Bild 4: Einfaches Prinzip: Die Locktöpfe sollen helfen, Hornisse und ihre Nester zu orten.

Der Name sagt es bereits: Ein Topf – beziehungsweise Gläser mit Schraubverschluss – sollen Hornissen anlocken. Dazu braucht es das Wissen, dass Hornissen Alkohol unwiderstehlich finden - und eine entsprechend gehaltvolle Mischung, die in eines der Gläser gefüllt wird.

Müller-Meißners Rezept sieht so aus:

✅ Ein Drittel lieblicher Weißwein

✅ Ein Drittel Schwarzbier

✅ Ein Drittel Himbeergeist.

Die Mischung wird in eines der Gläser gefüllt.

Die Deckel müssen nun mit einem Schlitz versehen werden, durch den ein Streifen von einem Wischlappen gesteckt wird. Hat sich der Lappen vollgesaugt, kann das Anlocken beginnen: Das gefüllte Glas wird verschraubt an einen erhöhten Platz im Garten gestellt.

Der zweite Deckel stecht verkehrt herum darauf, das weitere Glas sauber daneben.

Nun heißt es warten – beziehungsweise gelegentlich nachsehen.

Saugt ein Insekt an dem Lappen? Dann wird das zweite Glas vorsichtig darüber gestülpt.

Nächster Schritt sichten: Was ist in die Falle gegangen? Eine Hornisse? Asiatisch oder einheimisch? Oder eine Wespe?

Wer sich unsicher ist, macht ein Foto und sendet es per WhatsApp an Müller-Meißner: 0175 6899334. Er sichtet und gibt kurzfristig eine Rückmeldung. Handelt es sich um eine asiatische Hornisse, setzt sich jemand aus dem Verein in Bewegung, um herauszufinden, wo sich das Nest des Tiers befindet und es anschließend unschädlich zu machen.

Auf den Gläsern, die das Velutina Lockdown-Team ausgibt, ist zusätzlich ein QR-Code angebracht, über den Sichtungen von Asiatischen Hornissen gemeldet werden können. Sie fließen in ein Monitoring ein, das neu aufgebaut wird – und deutlich machen soll, wie sich die Art in Niedersachsen ausbreitet.

Und wo gibt es die Lock-Töpfe?

In Rehburg hat Imkerin Claudia Blöthe einen kleinen Vorrat. Interessenten melden sich bei ihr unter (05037) 1558 oder besuchen ihre Kleine Meerbruch Imkerei, Mardorfer Straße 30.

Je mehr Menschen sich beteiligen, desto größer die Wirkung.

Nester im Frühjahr einfacher zu entfernen

„Jetzt ist die Zeit zum Handeln“, sagt Müller-Meißner. Jetzt, im Frühjahr, wenn der Nestbau beginne, sei er leichter zu unterbinden. Das Mardorfer Nest hätte ungefähr die Größe eines Fußballs bekommen, wenn es nicht so frühzeitig entdeckt worden wäre, erklärt er. Schon dann sei es eine kribblige Angelegenheit, die Hornissen zu entfernen, und nur in besonderer Schutzausrüstung möglich. Von eigenen Versuchen rät er eindringlich ab.

Noch schwieriger werde es später im Jahr. Dann neigten die Hornissen-Völker nämlich dazu, ein zweites Nest zu bauen, das zum einen wesentlich größer werde und außerdem oft in nahezu unerreichbaren Höhen von 20 bis 30 Metern hänge. Bedacht werden müsse auch, dass jedes Nest pro Jahr mehrere hundert Jungköniginnen hervorbringe - die sich im Jahr darauf vermehren wollen.

Müller-Meißner rät, in den Frühlingsmonaten gezielt an vielen Stellen im eigenen Garten zu kontrollieren, um Nester frühzeitig zu entdecken. Die Liste der bevorzugten Orte reicht von Hecken über Dachvorsprünge bis zu Nistkästen und umgedrehten Blumentöpfen. In Verdachtsfällen bietet er gerne Hilfe an.

Workshop zur Scout-Ausbildung

Für die Ausbildung der Scouts will Müller-Meißner auch Kurse anbieten. Einen ersten Termin hat er bereits festgelegt: Am Sonntag, 28. Juni, ab 10 Uhr in seiner Imkerei in Luthe, Kleine Heide 19. Wer die kostenlose Ausbildung bekommen möchte, meldet sich unter (05031) 9021056 an.

Weitere Termine sollen folgen, womöglich auch an anderen Orten, in anderen Kommunen, um die Scouts möglichst weiträumig wirken lassen zu können. Was sie ebenfalls erreichen sollen: Ein flächendeckendes Monitoring über ganz Niedersachsen.

Hornissen-Management fehlt noch

: Marcel Müller-Meißner bietet mit dem Velutina Lockdown Team Hilfe gegen die Asiatische Hornisse an

Bild: Entschlossenes Vorgehen: Marcel Müller-Meißner bietet mit dem Velutina Lockdown Team Hilfe gegen die Asiatische Hornisse an. ade

Dazu müsse man wissen, erklärt Müller-Meißner, dass die Meldung bei den Unteren Naturschutzbehörden nach der Sichtung von Velutina bis Anfang 2025 Pflicht war. Die Behörden seien allerdings angesichts der Vielzahl der Eingänge hoffnungslos überfordert gewesen und hätten kaum ein Netzwerk zur Verfügung gehabt, das sie mit der Beseitigung beauftragen konnten. So gelte mittlerweile, dass gemeldet werden könne - aber nicht mehr müsse.

Was fehle, sei ein wirkliches Management der Hornissen-Vorkommen. Und dazu brauche es Experten, die sich auch mit der Beseitigung auseinandersetzen. Er selbst habe diverse Schulungen mitgemacht und sich auch mit einem speziellen Schutzanzug ausgerüstet.

Normale Schutzkleidung genügt nicht

Ein spezieller Schutzanzug ist notwendig, wenn Hornissen-Nester entfernt werden sollen

Bild: Ausrüstung aufgestockt: Ein spezieller Schutzanzug ist notwendig, wenn Hornissen-Nester entfernt werden sollen. ade

„Ein normaler Imkeranzug reicht nicht aus“, betont er und zeigt sein Exemplar. 500 Euro hat er für den Anzug hingeblättert. Das könne sich nicht jeder mal eben so leisten, sei aber noch eine Kleinigkeit im Vergleich zu den Kosten, die entstehen, wenn ein Nest beispielsweise aus 30 Metern Höhe beseitigt werden müsse.

Dort beginnt die nächste Herausforderung: Wer kommt für die Kosten auf, die durch solche Einsätze entstehen? „Daran wollen wir arbeiten und das breit aufgestellt“, sagt er. Der Verein stehe bereits in engem Kontakt zu der Region Hannover wie auch den Landkreisen Schaumburg und Hameln-Pyrmont. Das solle ausgebaut werden. Jeder für könne es nicht finanzieren. Arbeiteten alle zusammen, ließen sich Pläne entwickeln.

Auch über Organisationsstrukturen haben die Vereinsmitglieder sich bereits Gedanken gemacht. Zwei Lösungsansätze sehen sie: entweder wird das Management an die Naturschutzbehörden mit festen Ansprechpartnern angedockt oder an Expertengruppen weitergegeben - wie beispielsweise das Velutina Lockdown Team.

Woran ist die Asiatische Hornisse zu erkennen?

Asiatische Hornisse


Markant sind die schwarz-gelben Beine der asiatischen Art – im Gegensatz zu den braun-roten Beinen der Europäischen Hornisse.

Auffällig sind außerdem ihre schwarze Brust und der dunkle Hinterleib mit gelben Banden. Ist der Hinterleib gelb mit schwarzen Punkten und Banden, so handelt es sich hingegen um die europäische Art.

Mai 2026

Beate Ney-Janßen