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Hinterm Kamp wird gebaut


Noch grasen Pferde gemütlich auf dem Areal, das zum Wohngebiet werden soll. Ortsbürgermeister Ralf Schulte und Ortsratsmitglied Frauke Kallendorf können sich an der Friedhofstraße also bequem an einen Weidenzaun lehnen. Gleich mehrere Weiden schließen sich mitten im Dorf aneinander an – ideal, um in Münchehagen Bauland auszuweisen, das die Ortsmitte nicht zerfasert, sondern noch mehr zusammenrücken lässt.

Unten rechts, erklärt Ralf Schulte, sei ein Regenrückhaltebecken vorgesehen, am tiefsten Punkt des Geländes. Linker Hand am Weidenzaun werde es einen Rad- und Fußweg geben, der aber breit genug gebaut werde, um im Notfall Feuerwehrfahrzeugen die Durchfahrt zu ermöglichen.

Das restliche von dieser Stelle sichtbare Gelände soll dem Wohnen dienen – und das weicht vom Klassiker der Wohngebiete auf dem Land ein wenig ab.

Mehr als das typische Einfamilienhaus

Bebauungsplanzeichnung Hinterm Kamp

Bild: Bebauungsplan

„Wir wollten die Chance bieten, auch andere Wohnformen als das dorftypische Einfamilienhaus zu bauen“, sagt Frauke Kallendorf. Zum einen soll eine verdichtete Bauweise mit Mehrfamilienhäusern möglich sein, zum anderen dem relativ neuen Trend zu Tiny Houses Rechnung getragen werden.

Die studierte Stadtplanerin hat sich insbesondere für die Tiny Houses im Ortsrat stark gemacht und das Gremium letztlich von diesem Konzept überzeugt.

Mehr Flexibilität bei der Ausweisung von Baugebieten war ihre Wunschvorstellung, als sie vor fünf Jahren erstmals in Orts- und Stadtrat gewählt wurde. Weil Flächen nun einmal nur begrenzt zur Verfügung stünden. Weil viele auf mehr Fläche lebten als sie brauchen. Und weil solche Überlegungen nicht nur wegen der knappen Ressourcen, sondern auch für den Klimaschutz notwendig seien.

Herrenhorst bestätigt Mehrfamilienhaus-Nachfrage

Das Loccumer Baugebiet Herrenhorst

Bild: Das Loccumer Baugebiet Herrenhorst bestätigt die Nachfrage nach verdichteter Wohnbebauung. ade

Das Neubaugebiet Herrenhorst in Loccum hat in der Zwischenzeit den Beweis erbracht, dass Mehrfamilienhäuser auch auf dem Land stark nachgefragt werden. Von ähnlichem Erfolg in Münchehagen sind alle überzeugt.

Der Abschnitt, der Tiny Houses vorbehalten wird, ist jedoch ein Versuch, ein Experiment. Noch sind alle gespannt, ob sich auch in Münchehagen Menschen für diese Wohnform begeistern werden. Sollte das nicht der Fall sein, kann die Fläche später umgewidmet werden. Den Versuch will der Ortsrat aber wagen.

2,18 Hektar groß wird das Baugebiet. „Hinterm Kamp“ soll es heißen und grenzt an einer Seite an die Friedhofstraße, an der anderen an die Lange Straße, die als Landesstraße in den Landkreis Schaumburg führt.

Die Zufahrt zu dem Baugebiet ist von der Langen Straße geplant. Wo jetzt noch links neben dem Gebäude der ehemaligen Volksbank eine Doppelgarage steht, wird die Zufahrtstraße gebaut.

Dorfmittelpunkt im Baugebiet entwickeln

Ortsmitte von Münchehagen

Bild: Hinter dem ehemaligen Gebäude der Volksbank wird das Baugebiet Hinterm Kamp beginnen. ade

Hinter der Volksbank und der Bäckerei an der Ecke Lange Straße/Loccumer Straße ist eine Grünfläche vorgesehen. „Für diese Fläche ein Konzept zu entwickeln, ist unsere nächste Aufgabe“, sagt Ralf Schulte.

Dass dieses Areal weitaus mehr werden soll als ein Treffpunkt mit einigen Spielgeräten für die Bewohner:innen Hinterm Kamp, darüber besteht Einigkeit. Schließlich ist sie nicht nur ein teil des Neubaugebietes, sondern liegt auch direkt in Ortsmitte mit der Kirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Nicht mehr und nicht weniger, als daraus einen Dorfmittelpunkt zu machen, ist das herausfordernde Ziel.

Bis die ersten Grundstücke verkauft werden und Baumaschinen anrücken, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Noch werden Flächennutzungs- und Bebauungsplan aufgestellt. Bislang ist die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit abgeschlossen.