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aus Rehburg-Loccum

Wissenschaftliche Arbeit des Dinoparks

Forschergeist: Ein Blick in die wissenschaftliche Arbeit des Dinoparks

Wer den Dinopark Münchehagen besucht, erwartet ein Freizeitvergnügen. Doch über Spaß und Spiel bei den Sauriern ist der Park auch paläontologisch unterwegs. Ein Gespräch mit dem wissenschaftlichen Leiter Fritz Stoepke über Spuren, Knochen, Fauna und die Leidenschaft, die er sich aus Kindheitstagen bewahrt hat.

Dr. Fritz Stoepke ist wissenschaftlicher Leiter des Dinoparks Münchehagen
Keine Angst vor großen Tieren: Dr. Fritz Stoepke ist wissenschaftlicher Leiter des Dinoparks Münchehage

Dinosaurier - so ziemlich jeder ist in seiner Kindheit irgendwann der Faszination dieser Tiere der Urzeit erlegen. Was sich bei vielen wieder legt, retten andere in ihr Erwachsenenleben. Wie Fritz Stoepke, seit kurzem Doktor der Paläontologie und an einem Arbeitsplatz angelangt, der ihn als Dreijährigen bereits begeisterte: Im Dinopark Münchehagen, dessen wissenschaftlicher Leiter er nun ist.

Der Dinopark - ist das nicht ein Freizeitpark für Kinder? Sicherlich ist er das. Mit einem langen chronologischen Rundweg durch die Urzeit, mit Dinos, die sich als Fotopoint und auch zum Klettern eignen, mit Spielplätzen und zahlreichen Aktionen rund um Dinos.


An der Hand der Eltern durch den Dinopark

Doch all das - oder vieles von dem - hat gehobenen wissenschaftlichen Anspruch. Neueste Forschungsergebnisse fließen immer wieder in die Urzeit-Modelle ein. Der Dinopark beteiligt sich selbst an Ausgrabungen und geborgene Funde werden im Park von Präparatoren vor den Augen von Besuchern bearbeitet. Mehr Wissen über die Urzeit ist das Ziel - und dafür braucht es Menschen, die darauf spezialisiert sind.

Stoepke liebt seinen Arbeitsplatz und die Möglichkeiten, die sich ihm bieten. Und das seit dem ersten Besuch des heute 28-Jährigen an der Hand seiner Eltern. Sie lebten in Hildesheim, waren aber oft in ihrem Ferienhaus in Mardorf. Da verstanden sich die Abstecher nach Münchehagen von selbst.

Pollen und Samen in der Mongolei geborgen

„Mit vier Jahren habe ich begonnen, Fossilien zu sammeln“, erzählt er. Ein wenig angeleitet von seinen Großvätern, die Bergleute waren. So landeten nicht nur Kieselsteine, die wie Dino-Eier aussahen, im Eimer des Kindes.

Die Großväter standen wohl auch noch ein wenig Pate, als Stoepke sich sein Thema für die Promotion auswählte, in der es um die Umwelt in der Kreidezeit ging. Ihr kam er in Braunkohle auf die Spur, die er in der Mongolei barg und aus der er Pollen und Samen barg - für Rückschlüsse auf die Landschaft, auf Lebensräume und das Klima jenes Erdzeitalters.

Urzeitfarn beginnt zu wachsen

Mehr Authentizität: Im Dinopark,deswegen hat Fritz Stoepke damit begonnen, Pflanzen der Urzeit zu setzen - wie den australischen Baumfarn
Mehr Authentizität: Im Dinopark hat Fritz Stoepke damit begonnen, Pflanzen der Urzeit zu setzen - wie diesen australischen Baumfarn.


Kaum verwunderlich, dass er sich als einen Schwerpunkt seiner Arbeit im Dinopark dessen Fauna vorgenommen hat. Die Fragen, die er sich stellt: Welche Pflanzen wuchsen in den jeweiligen Zeitaltern und wie sah die Umgebung aus? An einigen Stellen hat er bereits begonnen, die Landschaft im Park behutsam zu verändern.

Ein Beispiel ist der Baumfarn, den er auf dem Rundweg nahe einem Velociraptor stolz vorführt. Ein Farn, der mehrere Meter hoch werden kann, heute noch in Australien heimisch ist und angesichts des Klimawandels auch hier Chancen hat, im Freien wachsen zu können.

Diversität der Dino-Landschaft erhöhen

Noch sieht die Pflanze etwas vertrocknet aus, doch Stoepke ist zuversichtlich, zeigt auf einige junge Triebe und schwärmt vom Urzeit-Feeling, das so entstehen könne.

Nach und nach will er in diesem Sinne die Landschaft des Parks verändern. Das sei ohnehin notwendig, da in dem Baumbestand viele Kiefern seien. Die Diversität will er erhöhen und fängt damit im Kleinen an.

Dino-Modelle selbst entwickeln

Den Cynognathus hat Fritz Stoepke auf den aktuellen Stand der Wissenschaft bringen lassen.
Vorher und nachher: Den Cynognathus hat Fritz Stoepke auf den aktuellen Stand der Wissenschaft bringen lassen


Aber auch manchen Modellen hat er bereits seinen Stempel aufgedrückt und sie in seinem Sinne verändert. Den Cynognathus, ein hundeähnliches Reptil des Trias, etwa. „Das Modell im Park war in die Jahre gekommen und hatte mit den aktuellen Forschungen nicht mehr viel gemein“, führt er aus. Bei der Körperform orientierte er sich an dem Stand der Wissenschaft. Anregungen für die Pose des Models und auch für die Farbgebung gab er ganz nach seinem Gusto. Insbesondere über Letzteres ist wenig bekannt.

Derart viel Einfluss auf die Saurier nehmen zu können, die im Park stehen, erlebt er als weiteren Pluspunkt seines Jobs - denn die Unternehmensgruppe Wesling, der der Park gehört, hat mit Wolter Design nur wenige Kilometer entfernt auch eine „Dino-Schmiede“, entwickelt und liefert Dinos nach Münchehagen und in alle Welt.

Arbeiten in neuem Steinbruch

Hinzu kommt an Stoepkes Arbeitsplatz die Aussicht auf neue Funde direkt hinter dem Parkgelände. „Vor wenigen Tagen haben die Arbeiten in einem neuen Steinbruch begonnen“, berichtet er und verspricht sich davon weitere Erkenntnisse, weitere Fährten von Dinosauriern, die vor Millionen Jahren in der damals flachen Seenlandschaft ihre Fußabdrücke im Sand hinterließen.

Zur Erinnerung: Der Dinopark entstand 1992 nachdem in einem weiteren Steinbruch Fährten entdeckt worden waren. Über diesen Spuren wandeln heute Besucher in der Fährtenhalle auf hölzernen Stegen.

Öffentliche Grabungen in Aussicht

Sandstein wird nahebei immer noch abgebaut, jetzt auf dem neuen Terrain. Sollten Fährten gefunden werden, stellt Stoepke wieder öffentliche Grabungen in Aussicht. Erdgeschichte selbst zu entdecken war auch in den Jahren zuvor immer wieder ein Highlight für Besucher.

Doch Funde kommen auch auf anderen Wegen zu dem Paläontologen. Er geht in eines der Archive der Präparation, in dem Regale bis unter die Decke reichen und fein säuberlich mit Kartons gefüllt sind, die Funde enthalten. Manchen sind ihre Geheimnisse bereits entlockt worden, andere warten noch auf Bearbeitung.

Das Krokodil im Garten des Hausmeisters

Den Cynognathus hat Fritz Stoepke auf den aktuellen Stand der Wissenschaft bringen lassen.
Vorher und nachher: Den Cynognathus hat Fritz Stoepke auf den aktuellen Stand der Wissenschaft bringen lassen.


Stoepkes derzeitiges Vorzeige-Präparat ist ein Sandstein mit zahlreichen Hohlräumen. „Eine Sensation“, sagt er und erklärt, dass jeder Hohlraum einmal den Knochen eines Krokodils enthalten habe. Eines, das vor 140 Millionen Jahren im benachbarten Wölpinghausen lebte. Und tatsächlich: Selbst Laien können die Wirbelsäule im Stein erkennen, wenn sie erst einmal mit der Nase darauf gestoßen werden.

Der Hausmeister des Dinoparks habe den Sandstein im Garten seines eigenen Grundstücks gefunden und mal mitgebracht, um sicher zu gehen. „Die Häuser dort im Ort sind überwiegend aus Sandstein gebaut“, erläutert Stoepke. Vermutlich sei dieser Stein wegen seiner Hohlräume nicht verwendet worden.

Weitere Veränderungen im Blick

Seitdem halte der Hausmeister Ausschau nach Steinen, die weitere Teile des Krokodils enthalten könnten. Große Hoffnungen macht der Paläontologe sich in dieser Hinsicht allerdings nicht. Große Hoffnungen für alles, was er im Dinopark und für dessen wissenschaftliche Arbeit machen will, hingegen schon.

Der Dinopark, Alte Zollstraße 5 in Rehburg-Loccum, ist täglich von 9 bis 18 Uhr bis zum 1. November geöffnet. Danach geht er bis März 2027 in die Winterpause. Tagestickets kosten für Kinder von vier bis zwölf Jahren 14,90 Euro, für Ältere 16,90 Euro. Infos sind auf der Homepage www.dinopark.de hinterlegt. Dort gibt es auch Auskunft über tägliche Aktionen des pädagogischen Teams.

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