Stadtplatz Regenbogen

Was gibt es Neues in der Stadt?

Rathaus

Tschüss Martin


Und nun: Ist sein Schreibtisch aufgeräumt. Ein seltener Anblick! Üblicherweise türmten sich Aktenberge rechts und links. Auch wenn er eigentlich ein Verfechter der Digitalisierung und des papierlosen Büros ist.

Das hat ihn allerdings nicht davon abgehalten, manche lieb gewordene Traditionen oder auch überkommene Technik fortzuführen und zu nutzen.

Fragen wir Nanette Wiederhold, die vor einigen Monaten als seine Assistentin ins Bürgermeister-Vorzimmer einzog, zu diesem Thema, so beginnt sie zu lachen – und zückt eine Kassette.

„Die letzte Kassette habe ich aufbewahrt“, sagt sie und spielt den abschließenden Satz vor. Den Satz, mit dem Martin Franke jedes Diktat beendet hat:

„In der Sache Ende. Auf diesem Band.“

Der altertümliche Kassettenrekorder wird demnächst vom Vorzimmerschreibtisch verschwinden. Die Erinnerung daran dürfte sich hartnäckig halten.

Vereidigung als Bürgermeister
© Beate Ney-Janßen

 

Aber was hat dieser Bürgermeister denn eigentlich gemacht in all den Jahren? Eigentlich müssen wir nur vor die Tür gehen, um eine Menge davon zu sehen:

Eine neue Sporthalle in Rehburg. Spielplätze in Loccum. Der Märchenweg durch Bad Rehburgs Berge. In Winzlar die Eierbratstelle in neuer Gestalt. Und um für Münchehagen ein Beispiel zu nennen: Das Bildungshaus für den besseren Übergang von der Kita zur Schule. Mit dem wir bundesweit für Furore gesorgt haben.

Alles allein Verdienst des Bürgermeisters? Nein, jetzt legen wir unsere Bescheidenheit ab. Daran waren jeweils auch sehr viele Menschen aus unserer Verwaltung beteiligt! Denen der Chef etwas zugetraut und denen er Aufgaben verantwortlich übertragen hat. Delegieren und im Team spielen – das gehörte für ihn dazu.

„Die Zusammenarbeit mit Martin Franke war geprägt von gegenseitigem Vertrauen, Ehrlichkeit und einer außergewöhnlichen Loyalität, die ich stets sehr geschätzt habe. Mit seinem hohen Anspruch an die gemeinsame Arbeit, seinem eigenen großen Engagement und seinem Ideenreichtum hat er immer wieder Impulse gesetzt, die uns motiviert und zahlreiche Projekte entscheidend vorangebracht haben. Für die gemeinsame Zeit, die offene und verlässliche Zusammenarbeit sowie die vielen gemeinsam erreichten Ziele danke ich ihm von Herzen und wünsche ihm für seinen weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute.“

Björn Polacek; Fachbereichsleiter Bürgerdienste, Bauen und Ordnung

Greifen wir Engagement und Ideenreichtum auf, die Björn Polacek angesprochen hat und picken uns ein einzelnes Vorhaben heraus: Martin Frankes Einsatz für ein Projekt, das sich über fünf europäische Länder erstreckt, zu dem 17 Partner:innen gehören und das es zum Ziel hatte, Verbindendes herauszustellen, zu formen und – ganz nebenbei – noch mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet zu werden.

Die Rede ist von Cisterscapes – dem europaweiten Netzwerk, das historische Zisterzienser-Klosterlandschaften miteinander verbindet, das auf einem Weg von vielen tausend Kilometern erwandert werden kann und in kleinerem Maßstab auch in jeder der 17 Landschaften wirkt.

 

Martin Franke präsentiert das Sisterscapes Projekt
© Beate Ney-Janßen

 

Dieses Projekt hatte unser Bürgermeister bis zu seiner Verwirklichung zur Chefsache erklärt. Wohl wissend, dass es obendrauf kam auf den nie enden wollenden Stapel Arbeit. Auch etwas, das ihn auszeichnet: Vor Arbeit hat er sich nicht gescheut, oft brannte in seinem Büro noch Licht, wenn alle anderen längst nach Hause gegangen waren.

„Als Fachbereichsleiterin habe ich die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Martin Franke und unser gutes Miteinander sehr geschätzt. Auch unterschiedliche Meinungen konnten wir offen austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen, was für mich unsere Zusammenarbeit besonders wertvoll gemacht hat.

Danke, für das Gute, das Du für unsere Stadt geschaffen hast, Martin, und alles erdenklich Gute für Deinen nächsten Lebensabschnitt!“

Judy Grothe, Fachbereichsleiterin zentrale Dienste, Bildung und Tourismus – und Nachfolgerin von Martin Franke

Unterschiedliche Meinungen? Dass ein Bürgermeister nicht unfehlbar ist, hat Martin Franke sicherlich mehr als nur einmal zu hören bekommen. Einer ordentlichen Argumentation hat er sich aber nicht (oder nur selten) verschlossen. Ob in unserer Verwaltung, in den politischen Gremien oder im Gespräch mit den Bürger:innen unserer Stadt.

Apropos Gespräch: Seine offene Tür zum Vorzimmer haben Bürger:innen oft genutzt. Um Vorschläge zu unterbreiten, Rat einzuholen oder auch schon mal, um Frust abzuladen. Viele, sagt Ursel Belouet, die ihm etliche Jahre in besagtem Vorzimmer den Rücken freigehalten hat, seien wesentlich entspannter wieder herausgekommen.

Gute Laune beim Lessen der Jubiläumszeitschrift
© Beate Nea-Janßen


„Ich glaube, Martin ist jeden Morgen mit dem Zitat von John F. Kennedy ins Rathaus gekommen: "Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könnt." Für ihn war das die logische Konsequenz aus dem guten Leben, das er, wie die allermeisten anderen hier, in Rehburg-Loccum hat.“

Ursel Belouet, langjährige Assistentin des Bürgermeisters

Das gute Leben, meint sie, habe er nach den Gesprächen, die er anlässlich der Verlegung von Stolpersteinen mit der Familie Hammerschlag - Nachfahren einer jüdischen Familie aus Rehburg – geführt habe, noch mehr wertgeschätzt.

Demokratie zu achten, konsequent dafür einzustehen und deutlich Haltung zu zeigen, sei ihm nach dieser Begegnung noch wichtiger gewesen. 

Martin Franke auf dem Stand des Bündnisses für Demokratie
© Beate Ney-Janßen

 

Was Martin Franke dann noch gemacht hat? Seinen Humor nicht verloren!

Ein Beispiel, das unsere ehemalige Kollegin Friederike Ludewig schwer beeindruckt und zu spontanem Gelächter veranlasst hat: Als sie einmal in einer Vorlage aus drei Kubikmeter Grüngut, die abtransportiert werden sollten, kurzerhand drei Kubikzentimeter Grüngut gemacht habe, bekam sie die Zettel mit einem Post-It versehen zurück: „Schlage vor, das Grüngut in der Handtasche zu transportieren!“

Mitarbeiter:innenführung at its best 😉

 

Martin Franke und dass Rathausteam beim Lauf für Demokratie
© Beate Ney-Janßen

 

Weitere Chef-Qualitäten im Bezug auf die Verantwortung für rund 200 Mitarbeitende, hat unser Personalchef in seine Abschiedsworte fließen lassen:

„14 Jahre durfte ich mit dir zusammenarbeiten.

Dabei hast Du mir immer den notwendigen Spielraum für eigene Entscheidungen gelassen.

Du hast hinter mir gestanden und in besonders kritischen Momenten auch vor mir. Ich habe viel von Dir gelernt.

Danke Martin!“

Arnold Müller, Fachbereichsleiter Personal, Finanzen und Bäderwesen

 

Soweit unser kleiner und absolut unvollständiger Rückblick auf unseren scheidenden Chef. Viel zu wenig für 40 Jahre Arbeit und Einsatz im Rathaus unserer Stadt, von denen er 15 Jahre alle Verantwortung tragen musste – und auch wollte!

Aber wir gehen davon aus, dass wir ihm in anderen Zusammenhängen erneut begegnen und überlassen ihm das Schlusswort:

„In der Sache Ende. Auf diesem Band.“

Ein klassisches Diktiergerät
© Beate Ney-Janßen