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Schichtwechsel im Rathaus: Wenn der Personalchef in der Lebenshilfe Dienst tut


Bild: Mal ein ganz anderer Arbeitsplatz: Unser Personalchef Arnold Müller (Mitte) beim Schichtwechsel in einer der Werkstätten der Lebenshilfe Nienburg. Lebenshilfe Nienburg

 

Natürlich habe er von den Werkstätten der Lebenshilfe gewusst und auch eine vage Vorstellung gehabt, wie dort gearbeitet werde, berichtet Arnold Müller. Wie diese Arbeit aussieht, was dort gemacht wird und wie die Werkstätten organisiert sind – darüber weiß er nun aber deutlich mehr.

Mit ziemlicher Hochachtung vor dem, was angeboten wird, vor den durchdachten Konzepten und vor den Leistungen der Menschen mit Beeinträchtigungen wie auch den weiteren Mitarbeitenden, die in den Werkstätten arbeiten, ist er zurückgekommen. Dieser Tag, sagt er, habe ihm einiges zum Denken und Nachdenken mit auf den Weg gegeben.

Was ist der Schichtwechsel?

Seit 2019 organisiert die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V. (BAG WfbM) den Aktionstag, an dem Mitarbeitende aus Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes mit solchen aus den Werkstätten quasi den Arbeitsplatz tauschen. Auf der einen Seite lernen Menschen wie Arnold Müller die Werkstätten kennen. Im Gegenzug ermöglicht der Tag Menschen aus den Werkstätten Erfahrungen an anderen Stellen zu sammeln, neue Berufsfelder zu entdecken und womöglich sogar potentielle Arbeitgeber:innen auf die Idee zu bringen, bei künftigen Einstellungen auch in diese Richtung zu denken.

 

Die Werkstätten der Lebenshilfe Nienburg beteiligten sich in diesem Jahr erstmals an dem Aktionstag – und fragten bei einigen Arbeitgeber:innen, ob sie bereit für den Austausch seien.

Im Rehburg-Loccumer Rathaus stieß die Lebenshilfe auf offene Ohren. Und während Arnold Müller seine Neugierde in Nienburg stillen wollte, sagten unsere Auszubildenden Thania Meinshausen und Colien Magacz, dass sie gerne einige Besucher:innen aus Nienburg empfangen und begleiten würden.

 

Gar nicht langweilig: Colien Magacz und Thania Meinshausen mit Joshua, Andrea und Inge beim Schichtwechsel in unserer Stadtverwaltung. Stadt Rehburg-Loccum
© Beate Ney-Janßen
Gar nicht langweilig: Colien Magacz und Thania Meinshausen mit Joshua, Andrea und Inge beim Schichtwechsel in unserer Stadtverwaltung. Stadt Rehburg-Loccum

 

Während der Personalchef sich unter anderem in das Zusammenschrauben hochwertiger Lattenroste einweisen ließ, nahmen Thania Meinshausen und Colien Magacz mit Joshua, Andrea und Inge ihre Nienburger Gäste im Rathaus in Empfang.

Die anfängliche Befürchtung ihrer Besucher:innen, dass solche Arbeit in einer Verwaltung garantiert langweilig sei, hätten sie schnell zerstreuen können, berichten die beiden Frauen schmunzelnd. Wie auch – wenn neben einer Rathausführung und diversen kleinen Aufgaben, die sie vorbereitet hatten, noch eine Tour durch diverse Außenstellen auf dem Programm stand: Zu Grundschule und Feuerwehr in Münchehagen, zum Freizeitbad und zu dem, was alle als Krönung des Tages empfanden: einem Besuch des Bauhofs samt Probesitzen auf einigen Fahrzeugen.

Mit guter Laune, fröhlichen Gesichtern und vielen neuen Einblicken endete der Tag in Rehburg-Loccum wie auch in Nienburg.

„Im nächsten Jahr machen wir auf jeden Fall wieder mit“, sagt Arnold Müller. Das machten auch unsere Auszubildenden bereits ab – indem sie die Gegeneinladung von Joshua, Andrea und Inge angenommen haben.

Die Option, aus dem eintägigen Schichtwechsel Arbeitsverhältnisse entstehen zu lassen, hat unser Personalchef nun im Hinterkopf. Mit allen Abwägungen und aller Ruhe, die dafür notwendig sind. Und mit einer guten Portion Optimismus, die er von diesem Tag mitgenommen hat.